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Wo steht die Inklusion im Jahr 2016?

Unterrichtsminister Scholten formulierte 1992 in einer Grundsatzerklärung, dass „die Entwicklung der Schule zu einer Schule unter Einschluß aller Kinder als zentrale Notwendigkeit zur Wahrung des Wohles behinderter wie nichtbehinderter Kinder „zu sehen ist. Diese Zielsetzung wurde in der Folge in Richtung einer Verdoppelung der Systeme – „two track approach“ – geändert, oder wie Ministerin Gehrer es 1996 formulierte „man sollte wirklich alle Möglichkeiten sehen und die auch gleichberechtigt nebeneinander bestehen lassen“ (ORF „Zur Sache“ Nov. 1996). Sonderschulklassen und integrative/inklusive Klassen wurden gefördert, in einem regional extrem heterogenen Prozess kam es zu einer starken Ausweitung der Zuschreibung „Sonderpädagogischer Förderbedarf“, die Anzahl von Kindern in Sonderschulen in Relation zur GesamtschülerInnenzahl verkleinerte sich bis zur Jahrtausendwende, erhöhte sich danach wieder und ist jetzt – 2015 – wieder ähnlich hoch wie im Jahr 1991. Die UN-Behindertenrechtskonvention ist damit bisher nicht wirksam geworden. Es ist die Frage, ob es bildungspolitisch gelingt ab 2016 eine tatsächliche Wende in Richtung Inklusion zu erreichen. Es ist zu bezweifeln, ob der langsam begonnene Weg in Richtung „Inklusive Regionen“ bis 2020 Inklusion erreichen kann. Es ist zu befürchten dass der „two track approach“ von Sonderklassen und Integrations-/Inklusionsklassen nur weiterentwickelt und angepasst wird (z.B. über „Kooperationsklassen“). Inklusives Lernen erfordert dagegen ganzheitliche Lernkulturen und – strukturen, die ständische und meritokratische Bildungstraditionen in Richtung Aneignung von Welt und Anerkennungskulturen verändern.

 Kurztext: Volker Schönwiese